"Nur was wir beide lieben, finden die Kunden in unseren Regalen"
Anschrift
Djou-Djou Design
Atelier in der Erikastraße 95
20251 Hamburg-Eppendorf
Öffnungszeiten
Montag-Samstag: 10.00 Uhr - 17.00 Uhr
Als Nancy Bockelmann und Sandra Trillhaas ihr Kinder-Label Djou-Djou gründeten, mussten sie noch mit Ersatzstoffen von Vileda proben. Der anvisierte Filz war nicht nur astronomisch teuer, sondern auch schwer zu bekommen. Wie gut, dass die beiden über ausreichend Pioniergeist und Improvisationstalent verfügten. Ihre schönen und nützlichen Utensilien wie etwa das Begleiterchen, Kulturella oder der Stullenträger, mit denen sie bereits über 40.000 Kinder (und wahrscheinlich auch viele Eltern) ausstaffiert haben, hätten ansonsten das Licht der Welt niemals erblickt.
Seit acht Jahren gibt es Djou-Djou. Darf man euch schon als eine Art Urgestein unter den Kinder-Labels bezeichnen, die personalisierbare Produkte anbieten?
Nancy: Irgendwie schon. Als wir mit Djou-Djou anfingen, war zumindest in unserem Aktionsradius kein anderer Hersteller, der Handgemachtes und Individuelles für Kinder im Programm hatte. Heute fallen mir allein hier in Hamburg drei Läden ein.
Sandra: Filz war damals ein echtes Novum für Kinder. Viel zu hart, sagte man uns. Und tatsächlich: Wir mussten viele Monate suchen, bis wir unser Material in der richtigen Qualität gefunden hatten – robust und belastbar, aber trotzdem nicht unangenehm-starr und kratzig.
Wer von euch beiden hatte denn die Idee, Kinderaccessoires zu entwerfen?
Sandra: Wir wollten beide im Bereich Kindersachen aktiv werden, weil wir das Angebot zu einfallslos, austauschbar und häufig auch ein wenig lieblos fanden. Ich hatte zunächst allerdings mehr das Thema Kinder-Papeterie im Sinn, während Nancy bereits auf Taschen aus war.
Nancy: Im Juni 2004 war es dann soweit – unsere ersten Modelle waren fertig: die Tussi-Tasche für Mädchen, und die Racker-Tasche für Jungen.
Eure Produkte zeichnen sich durch ihren individuellen Stil aus. Wie verläuft der Entwicklungsprozess: Habt ihr einen ähnlichen Geschmack, so dass ihr euch schnell einigen könnt, wie ein neues Produkt aussehen kann?
Sandra: Unser Geschmack ist schon unterschiedlich, aber am Ende ergänzen wir uns gut. Nancy ist zum Beispiel deutlich farbenfroher als ich. Die lilafarbene Klöterkiste zum Beispiel trägt ganz klar ihre Handschrift, während die Kulturella aus Denim oder aus Vichy-Karo meine Lieblinge sind.
Nancy: Unsere Kunden werden aber trotzdem kein Produkt finden, das nicht zu 100 Prozent uns beiden gefällt. Denn im Kern wollen wir natürlich in dieselbe Richtung. Unsere Produkte sollen einzigartig und personalisierbar sein. Eben kleine Besonderheiten, die dennoch keine Kunsthandwerksstücke sind, die dem Kindsein nicht gerecht wird.
Sandra: Deshalb ist unser Design auch eher gradlinig als zu verspielt und stets funktional orientiert. Damit kommen wir übrigens auch sehr gut bei den Männern an, die immer öfter bei uns im Laden den Einkauf übernehmen und sich für unsere Produkte begeistern.
Die Väter interessieren sich bestimmt mehr für die praktischen Dinge des Lebens, wie zum Beispiel eure Easy-Rider-Tasche.
Sandra: Stimmt, unsere Tasche Stullenträger, aber auch die Fotoalben sind sehr beliebt. Ist ja klar, hier steht mehr das Funktionale im Vordergrund. Männer wissen diese klaren Kaufanreize zu schätzen, weil sie im Vergleich zu unseren weiblichen Kunden viel entscheidungsfreudiger sind. Während die Damen noch mal rumschauen, abwägen und überlegen, stehen die Herren schon an der Kasse und freuen sich, bei uns so schnell was Passendes gefunden zu haben.
Habt ihr schon vor Djou-Djou zusammen gearbeitet?
Sandra: Ja, wir haben uns 1994 im Job kennengelernt. Der weitere Kontakt war dann allerdings immer privater Natur. Irgendwann stellten wir fest, dass wir was Eigenes auf die Beine stellen wollen. Und das am besten zusammen.
Seit Sommer 2008 habt ihr neben eurem Online-Shop ein Atelier in Hamburg-Eppendorf eröffnet. Wie hat sich eure Arbeit dadurch geändert?
Nancy: Wir geben dem persönlichen Kontakt und der Beratung der Kunden sehr viel Raum. Die meisten Menschen, die in unser Atelier kommen, wollen mehr über unsere Produkte erfahren, – über Materialien und Herstellung. Gleichzeitig erhalten wir auf diesem Wege auch viel Feedback. Das motiviert nicht nur, sondern inspiriert uns, öfter Neues zu wagen.
Sandra: Wir haben mittlerweile eine große Stammkundschaft aufgebaut. Darüber freuen wir uns sehr. Kunden kommen wieder, erzählen, was sie vorhaben, oder berichten, wie unsere Produkte angekommen sind. Das macht wirklich sehr viel Spaß.
Ihr habt es selbst festgestellt: Wettbewerber gibt es immer mehr, auch in eurer direkten Umgebung. Wodurch hebt ihr euch von anderen Anbietern ab?
Sandra: Wir setzen sehr stark auf unseren Service. Oft ist es doch so, dass Taufgeschenke oder kleine Mitbringsel auf den letzten Drücker besorgt werden. Da ist es für uns selbstverständlich, dass wir den Versand beschleunigen, oder uns eine andere kreative Lösung einfallen lassen, damit das Geschenk zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.
Wie sehen eure zukünftigen Pläne mit Djou Djou aus?
Sandra: Wir möchten uns mit Djou-Djou noch stärker im Bereich des Einrichtens etablieren. Hier sehen wir noch sehr viel Potenzial, gerade was die Kombination aus Design und Funktion angeht. Ein Anfang ist bereits mit der Klöterkiste gemacht. Wie lassen sich all die Spielsachen schnell und dennoch ansehnlich verstauen? Dafür gibt es jetzt eine schöne Filztasche bei Djou-Djou, in die wirklich unglaublich viel hineinpasst.
Nancy: Wir arbeiten daran, dass in Zukunft alle unsere Produkte mindestens öko-tex standard 100 erfüllen, oder noch besser aus kontrolliert biologisch angebauter Baumwolle sind. Außerdem möchten wir das Thema Charity ausdehnen. Beim Kauf einzelner Produkte spenden wir bereits einen Teilbetrag an unterschiedliche Organisationen wie Unicef oder Wellcome Hamburg. Bald soll es auch ein reines Charity-Produkt geben, bei dessen Kauf der Gesamterlös gespendet wird.
Das Interview führte Silvia Müller, freie Online-Texterin und -Redakteurin aus Hamburg.










